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Über Herman Potočnik

herman potočnik

Herman Potočnik
alias Hermann Noordung

Am 22.12.1892 wurde der slowenische Raumfahrtpionier Herman Potočnik geboren, bekannt unter dem Pseudonym Noordung. Er hat 1928 als erster in der Geschichte der Menschheit Pläne für orbitale Raumstationen und geostationäre Satelliten ausgearbeitet.

Herman Potočnik wurde in Pula (Istrien, heute in Kroatien) geboren, seine Familie stammt aus Slowenien, genauer aus Slovenj Gradec und Vitanje. Sein Vater Jožef Potočnik wurde 1841 in Razbor bei Slovenj Gradec geboren und diente als Arzt und hoher Marineoffizier in der k.u.k. Marine. Die Mutter Minka, geboren 1854, war Tochter des bekannten Weinhändlers Jožef Kokošinek aus Maribor.

Er erstellte einen ganzheitlichen Plan für eine orbitale Raumstation einschließlich künstlicher Gravitation mittels Zentrifugalkraft (rotierender äußerer Wohnring), betrieben mit Sonnenenergie, die damals noch keine Solarzellen kannte und den Strom über Verdampfung von Flüssigkeit in einem geschlossenen Rohrleitungssystem erzeugen und mit dem Dampf Dampfturbinen antreiben sollte, Atmungsgeräten, Raumanzügen, Aufzügen und allem was dazugehört – sogar Entwürfen für Luftschleusen (airlocks), wie sie sich auch in heutigen Raumstationen befinden. Er erwähnte auch die Zukunft von Kernenergie und Photonenantrieben.

Es handelt sich um einen außerordentlich wichtigen Beitrag zur Weltwissenschaft und auch mittelbar mit dem starken Eindruck, den er auf zahlreiche Zeitgenossen und spätere Forscher und Wissenschaftler und nicht zuletzt auch auf Verfasser von Science-Fiction-Werken gemacht hat. Er war Ingenieur und hervorragender Mathematiker und alle Pläne waren echte Ingenieurspläne für die tatsächliche Herstellung einer Raumstation (so genannte "blueprints").

Potočniks Plan einer Raumstation

Er erstellte auch den ersten Plan eines geostationären Satelliten und errechnete als erster dessen Umlaufbahn, in die später im Jahre 1962 auch der erste geostationäre Satellit gebracht wurde. Heute kann man sich ohne sie ein modernes Leben überhaupt nicht mehr vorstellen. Er war ein Visionär, der die Entwicklung der Zivilisation im Weltraum in einer Zeit beschrieb, als es völlig normal war, dass die Straßen der Großstädte völlig mit Pferdeäpfeln bedeckt waren.

Potočnik starb in Wien, im August 1929, nur einige Monate nach Erscheinen seines Buches Das Problem der Befahrung des Weltraums: Der Raketen-Motor. Das Buch ist 1928 in Berlin erschienen, eine öffentliche Übersetzung ins Slowenische kam erst 1986. Es ist auch deswegen interessant, weil Potočnik während des Schreibens wusste, dass er sterben musste und so einen Kampf mit der Zeit focht. Etwa in der Mitte des Buches ist somit eine Verschiebung von der ausgesprochen mathematischen Handhabung der Materie und trockenen Berechnungen zu einer mehr philosophischen Betrachtung der Entwicklung der Zivilisation im Weltraum und Ähnlichem zu spüren.

Die NASA bekam eine Übersetzung seines Buches erst 1995, in Russland wurde es auf Befehl von Konstantin Ziolkowski bereits 1935 übersetzt, als Ziolkowski schon zum russischen Helden erklärt worden war. Ziolkowski gilt als Vater der weltweiten Raumfahrtsprogramme. Im Jahre 1950 kam es auch in Russland zu einem Nachdruck des Buches. In Russland wurde diese Ehre in der Wissenschaft nur noch zwei anderen Autoren zuteil.

Auch das Design der orbitalen Raumstation im Film 2001: A Space Odyssey von Arthur C. Clarke wurde nach Potočnik übernommen. Es kommt auch in fast allen High-Budget-Science-Fiction-Filmen dieser Zeit vor (Solaris, Mission to Mars, usw.) Heute wird der Potočnik-Orbit irrtümlicherweise Clarke-Orbit genannt. Clarke hat aus den Ideen von Potočnik gelernt und später den ersten Satelliten fertig entwickelt. Er hat sich auch regelmäßig auf Potočnik bezogen und ihn in seinen Artikeln zitiert.

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